Teppich. Alles muss raus!

Alles ist raus!

Alles ist raus!

Mit der Headline ist auch schon fast alles gesagt. Naja, fast.
So vor ca. 9 Jahren war das alte Auto nicht mehr gut, nachdem ich Haftung vermissend den Bordstein zur Kurskorrektur zur Hilfe nehmen musste. Schon kurz nach der Korrektur war deutlich zu hören, dass nicht alle Teile des Rades, der Achse und dem ganzen Krempel dazwischen mit der Wahl der Mittel glücklich waren.
Wie das dann auch immer so ist, war eine Reparatur dem Restwert näher als das Rad der Mutter. Schnell wurden auch weitere „Kleinigkeiten“ gefunden, die demnächst ganz sicher mal dran wären …
Eine der Kleinigkeit wären die Bremsen samt Scheiben gewesen, die zusammen mir der lädierten Vorderachse in der Tat kein Schnäppchen gewesen wären. Ach ja, das war mein Smart Fortwo – das erste Modell.

So weit, so schlecht. Da stand wohl ein Wechsel ins Haus. Was tun? Es gab (und gibt noch heute) ne Menge Autos, die ich gerne fahren würde. Da die Frau Handkäs ein Auto hat, das auch zum Einkaufen, in Urlaub fahren, Sachen transportieren usw. gut zu gebrauchen ist konnte ich mir also wieder was Kleines zulegen. Irgendwie mag ich kein grosses Auto haben.

Lotus Elise -> zu teuer gewesen
Mazda MX 5 -> nö, doch nicht
MB SLK -> auch zu teuer und irgendwie ne Tennisspielerinnen-Karre

Die Liste könnte noch ein bisschen länger werden, muss sie aber nicht.
Vor dem Smart Center stand ein Roadster. Den könnte ja gerne mal Probe fahren. Da hab ich mich nicht lang bitten lassen und habe ne Runde gedreht.

Es ist ja schon schwer vorstellbar, dass man sich, von einem Smart kommend, in ein Auto setzt und sich eingeengt fühlt. Aber es geht. Der Roadster bietet einem wenig Platz, beschwerlichen Einstieg, der mit dem Hintern auch erst kurz über der Straße endet. Augenhöhe ist ca. die Höhe eines LKW Reifens. Im Stand geht das noch, auf der Autobahn muss man das schon mögen.

Der Innenraum glänzt mit zwei Ablagefächern in den Türen, die so klein sind, dass gerade so die Sonnenbrille darin Platz findet. Und das Handschuhfach natürlich, das wirklich nicht viel mehr Stauraum bietet als für ein Paar Handschuhe. Ungefütterte.
In den Kofferraum vorne passt gerade so eine Kiste Wasser, der hintere Kofferraum über dem Motor ist nicht die Rede wert.

Der Kunststoff im Innenraum hat etwa die haptische Qualität von dem, was sonst so im gelben Sack landet. Aber immerhin ist ein Teil des Armaturenbretts mit Stoff bezogen.
Auf der Autobahn sind die Windgeräusche so laut, dass man sich ab 140 km/h eher anschreit, als sich zu unterhalten.

Keine Frage! Geile Karre!

Mit 82 PS sicher eher ein sportliches Auto statt einem Sportwagen, aber die Mischung aus tiefer Sitzposition, Fahrwerk, Lenkrad-Paddeln zum Schalten (jaja, die lahme Automatik) und Heckantrieb macht schon Spaß.

Also noch mal mit Frau Handkäs hin und ne Probefahrt gemacht. Das Resümee war recht deutlich. Ihr Auto ist das nicht! Gar nicht.

Musste es ja auch nicht. Aber meiner sollte es werden. Nicht der Probe gefahrene, aber ein Roadster.
Der Verkäufer lies sich nicht lange Bitten und machte mir ein Angebot.
Meinen „Alten“ hat ein Mechaniker zu einem (wie sich später noch bewahrheitete) fairen Preis in Zahlung genommen.

Die Kohle reichte, wie geplant, für die Anzahlung des Roadsters.
Vor der Unterschrift bat mich der Verkäufer noch mal mit ihm vor die Tür zu dem Roadster zu gehen und machte mich auf einige Eigenheiten aufmerksam. Die Rede war von Windgeräuschen und sporadischem Wassereintritt durch die Außenspiegel und eventuell das Verdeck. Faire Sache.
Wieder rein an dem Schreibtisch unterschrieben und gut.

Jahre lang hatte ich mit Undichtigkeiten kaum Probleme. Immer mal wieder rannen an den Innenseiten der Außenspiegel ein paar Tropfen über das Abdeckgitter der Lautsprecher aber das war jetzt wirklich nicht so wild.

Aber letzten Herbst hatte ich dann immer wieder beschlagene Scheiben, die die Lüftung, die zwar laut aber wenig wirkungsvoll ist, mit ermüdender Langsamkeit frei fächelte.
Der Winter konnte das allerdings problemlos toppen. Wenn die beschlagenen Scheiben dann von innen gefroren sind, isses wirklich Scheiße. Hallo? Von innen kratzen? Da blieb mir net viel übrig.

Das allfeierabendliche Kratzen habe ich dann mit einem Verlängerungskabel und einem Heizlüfter umgangen. Das hatte den Vorteil, dass die Karre beim einsteigen schon immer vorgewärmt war, aber andererseits ging mir die Prozedur auch auf die Nerven.

Aber der Winter geht ja auch vorbei und mit dem Winter hatte sich auch das Problem mit den gefrorenen Scheiben verabschiedet. Aus den Augen aus dem Sinn.

Aber jetzt wird es ja wieder kälter! Und da isses wieder das Problem. Mit einem beherzten Griff in den Fußraum und unter die Sitze war die Ursache schnell geklärt. Da war es nicht feucht. Es war nass. Nicht ein bisschen. Richtig. Der Schaumstoff, der unten an den Teppich angepappt ist, hat wirklich schon alles gegeben und war deutlich gesättigt. Unter dem Teppich stand das Wasser in Pfützen. Es grenzt an ein Wunder, das sich in diesem Biotop noch keine Lebewesen gebildet hatten. Auf jeden Fall konnte ich mit bloßem Auge keine erkennen.

Das ich das nicht mit ein paar Lappen und ner Zeitung unter dem Teppich trocknen kann liegt auf der Hand. Eventuell hätte es geholfen wenn ich die Karre bis unters Dach mit Catsan gefüllt hätte.

Da blieb nur noch eins: Alles muss raus! Und so war es dann auch.
Ne Runde im Internet gesucht und die Roadsterbibel gefunden. An dieser Stelle vielen Dank an Kai Sackmann, der mit seiner Website fast jede Schraube am Roadster erklärt.

Schnell nachgeschaut wie man Sitze, Handbremse, Mittelkonsole usw. ausbaut, Ratschenkasten geschnappt und los ging es.
War dank der Anleitungen auch gar nicht so schwer. Muss auch zugeben, dass ich an dem Stecker des Seitenairbags sicher verzweifelt wäre.
Als der nasse Lappen dann raus war, konnte ich das Biotop trockenlegen und das ganze Geraffel wieder zusammenschrauben.
Jetzt bin ich mal gespannt, ob die Scheiben immer noch beschlagen. Ma guggen …
Und ich kann mich auf die Suche nach dem Leck machen. Aber das wird ne andere Geschichte.

Ach ja, hatte ich geschrieben, dass es laut im Roadster ist? Es ist jetzt natürlich noch lauter. Aber dank des Motors, der nur durch ein dünnes Blech von mir getrennt im Heck seiner Arbeit nachgeht, hört man die Windgeräusche kaum noch.

Als Resümee kann man sagen: Geile Karre. Bin froh das ich ihn mir damals gekauft habe.

 

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